Ein scheinbarer Widerspruch: Bereut Gott oder nicht?
Bei meiner Recherche ist mir zudem Folgendes aufgefallen:
Gott sagt in 4. Mose 23,19:
„Gott ist kein Mensch, der lügt, kein Menschenkind, das etwas bereut; spricht er etwas, so tut er es auch.“
Er bereut also nichts. Wirklich? Bedeutet das, dass Gott niemals Reue zeigt? Ist Reue also etwas rein Menschliches?
Doch was ist dann mit dieser Stelle:
„Da sah der HERR, dass die Bosheit des Menschen groß war auf Erden … da reute es den HERRN, dass er den Menschen gemacht hatte …“
(1. Mose 6,5–7)
Wenn Gott allwissend ist, dann hat er doch gewusst, dass es so kommen wird, oder? Wenn Gott es vorhergesehen hat, wenn er wusste, wohin sich alles entwickelt, dann stellt sich die Frage: Warum sollte er es bereuen?
Aber Reue?
Reue Gottes am Beispiel von Ninive
Ein weiteres Beispiel:
„Und Gott sah ihre Werke … da reute es Gott des Übels, das er angekündigt hatte.“
(Jona 3,4–10)
Hier fällt etwas Entscheidendes auf:
Es heißt nicht, dass Gott sich erbarmte. Es wird auch nicht ausdrücklich gesagt, dass er gnädig wurde. Ebenso steht dort nicht, dass er vergab.
Nein – es steht: Es reute ihn.
Reue ist normalerweise eng verbunden mit Buße, mit Umkehr und mit dem Eingeständnis von Fehlern.
Deshalb steht auch in der russischen Bibel, zum Beispiel in 1. Mose 6,5–7:
„И раскаялся Господь.“
(„Und der Herr bereute.“)
Was bedeutet „Reue“ überhaupt?
Reue bedeutet:
innere Umkehr
Herzensänderung
tiefes Bedauern
Sie hat klare Gemeinsamkeiten mit:
Buße
Umkehr
Sinnesänderung
daraus folgenden Taten
Und genau hier entsteht die zentrale Frage:
Wenn Reue mit Veränderung zu tun hat, mit einer inneren Umkehr, mit einer Veränderung im Herzen oder im Denken – wie passt das dann zu der Aussage, dass Gott sich nicht ändert und immer gleich bleibt? In Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft?
Welcher Gott zeigt hier Reue?
Welcher Gott zeigt hier diese Reue? Ist es derselbe Gott, der sagt, dass er nichts bereut? Und gleichzeitig derselbe Gott, von dem gesagt wird, dass es ihn gereut hat?
Man bekommt an dieser Stelle den Eindruck kaum los, dass hier unterschiedliche Darstellungen vorliegen. Dass möglicherweise verschiedene Perspektiven existieren. Oder sogar – so wie es auf den ersten Blick erscheinen kann – unterschiedliche „Götter“, mit unterschiedlichen Handlungen, Aussagen und Wirkweisen.
Ich verweise an dieser Stelle auch auf meinen Beitrag: „Zwei Schöpfungsberichte in der Genesis“
Dort wird einmal allgemein von „Gott“ gesprochen und an anderer Stelle von „Gott der HERR“ bzw. „Jahwe, der Gott“ – je nach Übersetzung.
Elohim – Ein Singular oder ein Plural?
Im Originaltext wird, wie bereits erwähnt, häufig von Elohim gesprochen. Und dort steht es auch genau so geschrieben.
Elohim ist grammatikalisch ein Plural. Wörtlich bedeutet es: „Götter“.
Das ist entscheidend:
Es ist kein Singular („Gott“), sondern ein Mehrzahlbegriff („Götter“).
Und genau hier stellt sich eine direkte Frage:
Warum wird das in unseren Übersetzungen oft nicht so wiedergegeben? Oder warum fehlt zumindest ein klarer Hinweis darauf?
Bibelstellen zu „Elohim“ und „Göttern“
Einige Beispiele:
Genesis 1,26
„Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei…“
Hebräisch: וַיֹּאמֶר אֱלֹהִים נַעֲשֶׂה אָדָם בְּצַלְמֵנוּ כִּדְמוּתֵנוּ
Genesis 3,22
„Siehe, der Mensch ist wie einer von uns…“
Hebräisch: הֵן הָאָדָם כְּאַחַד מִמֶּנּוּ
Genesis 11,7
„Auf, lasst uns hinabsteigen…“
Psalm 82,1
„Gott steht in der Gemeinde Gottes, inmitten der Götter richtet er.“
Psalm 82,6
„Ihr seid Götter…“
Exodus 20,3
„Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“
Psalm 95,3
„Der HERR ist ein großer König über alle Götter.“
Psalm 136,2
„Danket dem Gott der Götter…“
Diese Stellen ziehen sich durch die gesamte Bibel.
Sind das wirklich nur „Götzen“?
Oft wird gesagt:
Diese Götter seien nur Götzen. Nur tote Figuren. Nur Fabelwesen ohne Leben und Persönlichkeit.
Doch dann stellt sich eine ganz konkrete Frage:
„Gott steht in der Gemeinde Gottes, inmitten der Götter richtet er.“
(Psalm 82,1)
Wie soll man das verstehen? Steht Gott mitten unter leblosen Dingen? Unter bloßen Fantasiegestalten?
Die Frage der Eifersucht Gottes
Die Bibel beschreibt Gott als eifrigen, ja sogar eifersüchtigen Gott. Doch wie kann man eifersüchtig sein auf etwas, das gar nicht existiert?
Auf etwas Totes?
Auf ein Hirngespinst?
Auf ein Stück Holz oder Stein?
Eifersucht setzt Beziehung voraus. Eifersucht setzt Realität voraus.
Gott – ein Gott der Lebenden
Gleichzeitig sagt die Bibel:
Matthäus 22,31–32
„Er ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden.“
Lukas 20,37–38
„Denn für ihn leben sie alle.“
Wenn Gott ein Gott der Lebenden ist und nicht der Toten, und wenn er gleichzeitig als „Gott über alle Götter“ beschrieben wird, dann ergibt sich daraus folgerichtig und zugleich naheliegend, dass diese „Götter“ nicht als tot dargestellt werden, sondern vielmehr als lebendig gelten und entsprechend verstanden werden müssen.
„Gott über alle Götter“
2. Mose 18,11
„…der HERR ist größer als alle Götter.“
Und sogar der Apostel Paulus schreibt:
1. Korinther 8,5
Καὶ ἐστί τινες θεοί …
(„Denn obwohl es sogenannte Götter gibt… viele Götter und viele Herren…“)
Und dennoch folgt die klare Einordnung:
„…so gibt es doch für uns nur einen Gott, den Vater … und einen Herrn, Jesus Christus…“
Das bedeutet:
Die Existenz von „Göttern“ wird erwähnt – aber gleichzeitig wird eine klare Unterscheidung getroffen.
Namen und Titel Gottes
Im Alten Testament
Elohim – Pluralform, „Götter“, wird für den einen Gott verwendet
JHWH / Jahwe – „Ich bin, der ich bin“
Adonai – „Mein Herr“
El – „Mächtiger“
El Shaddai – „Gott, der Allmächtige“
El Elyon – „Gott, der Höchste“
El Roi – „Gott, der mich sieht“
JHWH Sabaoth – „HERR der Heerscharen“
Weitere Bezeichnungen:
HERR (für JHWH)
Gott der HERR
Herr (Adon / Adonai)
Im Neuen Testament
Theos – Gott
Kyrios – Herr
Pater – Vater
Jesus Christus – der Herr
Weitere Titel:
„Gott der Götter“ (Psalm 136,2)
„Herr der Heerscharen“ (1. Samuel 1,3; Psalm 24,10)
Metaphorische Namen: Fels, Zuflucht, Retter (z. B. Psalm 18)
Eine offene Frage
Am Ende bleibt für mich eine offene, ehrliche Frage stehen:
Ist das ein Widerspruch? Oder liegt hier eine Tiefe, die man nicht sofort versteht?
Vielleicht ist genau das der Punkt:
Dass diese Texte uns nicht nur Antworten geben, sondern uns zugleich in ein Nachdenken hineinführen, das nicht sofort abgeschlossen ist, sondern weiterwirkt und sich immer wieder neu entfaltet.
Und vielleicht ist genau dieses Ringen mit dem Text der eigentliche Anfang von Verständnis.
Mens sana in corpore sano – in einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist. Wie innen, so auch außen!
Eine ausgewogene Versorgung mit essenziellen Nährstoffen und Mikronährstoffen bildet die Grundlage für körperliche Gesundheit, geistige Klarheit und langfristiges Wohlbefinden.





