Die Bibel – unfehlbar oder doch mit Ungenauigkeiten?
Man hört ja immer wieder von leidenschaftlichen Verfechtern der Bibel, die sie als ein perfektes und unfehlbares Buch ansehen – als das ultimative Wort Gottes, das keinerlei Fehler enthält. Genau an diesem Punkt möchte ich ansetzen und ein Stück weit diese Illusion hinterfragen.
Denn ich habe eine Vielzahl von Stellen gefunden, die man durchaus als Fehler, Ungenauigkeiten oder zumindest als Übersetzungsprobleme einordnen kann. Dabei geht es mir nicht darum, pauschal zu verurteilen, sondern vielmehr darum, genauer hinzusehen und Fragen zu stellen, die sich beim Lesen ganz natürlich ergeben.
Nach welchem Maßstab bewerte ich die Bibel?
Bevor ich jedoch konkrete Beispiele nenne, möchte ich zunächst einen wichtigen Punkt vorwegnehmen. Ich bewerte die Bibel nicht nach irgendeinem äußeren Maßstab, sondern nach ihren eigenen Prinzipien und Aussagen.
Ein zentrales Prinzip, das wir in der Bibel finden, lautet sinngemäß: „Wie im Kleinen, so im Großen.“ Anders ausgedrückt: Wer im Kleinen untreu ist, wird es auch im Großen sein.
Lukas 16,10
„Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu;
und wer im Geringsten ungerecht ist, der ist auch im Großen ungerecht.“
Diesen Maßstab lege ich bewusst an. Denn wenn bereits im Kleinen Ungenauigkeiten vorhanden sind – seien es Übersetzungsfehler, Abschreibefehler oder inhaltliche Abweichungen –, dann stellt sich zwangsläufig die Frage, ob nicht auch im Großen eine gewisse Ungenauigkeit vorhanden sein könnte.
Noch direkter formuliert: Wenn die Bibel in kleinen Details nicht konsistent ist, wie sicher kann man sich dann in den großen Aussagen sein?
Beispiele für Ungenauigkeiten in der Bibel
Im Folgenden möchte ich einige konkrete Stellen nennen, die solche Unstimmigkeiten aufzeigen. Dabei ist mir bewusst, dass es noch viele weitere Beispiele gibt, die ich an anderer Stelle noch ausführlicher behandeln könnte.
Beispiel 1: Das Alter von Jojachin
In einer Stelle im Alten Testament wird berichtet, dass Jojachin acht Jahre alt war, als er König wurde:
- Chronik 36,9
„Acht Jahre alt war Jojachin, da er König ward. Und regierte drei Monate und zehn Tage zu Jerusalem und tat, was dem HERRN übel gefiel.“
(Luther 1912)
An einer anderen Stelle jedoch wird ein völlig anderes Alter genannt:
- Könige 24,8
„Achtzehn Jahre alt war Jojachin, da er König ward, und regierte drei Monate zu Jerusalem. Seine Mutter hieß Nehusta, eine Tochter Elnathans von Jerusalem.“
(Luther 1912)
Hier haben wir eine Differenz von zehn Jahren. Das ist keine Kleinigkeit, sondern eine deutliche Abweichung.
Zudem findet man in verschiedenen deutschen Übersetzungen Versionen, in denen beide Stellen mit 18 Jahren angegeben werden. Auch in anderen Sprachen zeigt sich dieses Problem:
- In der russischen Bibel findet man sowohl „Восемнадцати лет был Иехония“ (18) als auch „Восьми лет был Иехония“ (8).
- In der englischen King James Version wird ebenfalls einmal „eighteen years old“ und einmal „eight years old“ angegeben.
Die Frage bleibt also bestehen: Was ist nun richtig – 8 Jahre oder 18 Jahre?
Beispiel 2: Die Bekehrung des Apostels Paulus
Die Bekehrung des Apostels Paulus gehört zu den bekanntesten Ereignissen im Neuen Testament. Doch bei genauerem Hinsehen fallen Unterschiede in den Berichten auf.
Zunächst lesen wir:
Apostelgeschichte 9,7
„Die Männer aber, die mit ihm reisten, standen sprachlos da; denn sie hörten zwar die Stimme, sahen aber niemanden.“
Hier wird klar gesagt: Sie hörten die Stimme, sahen jedoch niemanden.
In einer späteren Schilderung desselben Ereignisses durch Paulus selbst heißt es jedoch:
Apostelgeschichte 22,9
„Die aber bei mir waren, sahen zwar das Licht, die Stimme aber hörten sie nicht von dem, der mit mir redete.“
Nun ist es genau umgekehrt: Sie sehen das Licht, hören aber die Stimme nicht.
Damit stehen zwei Aussagen nebeneinander:
- einmal: hören, aber nicht sehen
- einmal: sehen, aber nicht hören
Was gilt hier also?
Beispiel 3: 70 oder 75 Seelen?
Ein weiteres Beispiel betrifft die Anzahl der Menschen, die nach Ägypten zogen.
Im Alten Testament heißt es:
- Mose 46,27
„Und die Kinder Josephs, die in Ägypten geboren sind, waren zwei Seelen, also dass alle Seelen des Hauses Jakobs, die nach Ägypten kamen, waren siebzig.“
Im Neuen Testament wird diese Geschichte erneut aufgegriffen, allerdings mit einer anderen Zahl:
Apostelgeschichte 7,14
„Da sandte Joseph hin und berief seinen Vater Jakob zu sich und die ganze Verwandtschaft von fünfundsiebzig Seelen.“
Hier ist nun von 75 Personen die Rede.
Also stellt sich die Frage: Woher kommen diese fünf zusätzlichen Personen?
Der Umgang mit solchen Widersprüchen
Natürlich könnte man argumentieren, dass es für all diese Stellen irgendwo eine Erklärung gibt. Und tatsächlich versuchen viele Theologen seit Generationen, genau solche Unterschiede zu erklären oder aufzulösen.
Doch gleichzeitig bleibt ein Punkt bestehen: Warum sind diese Aussagen überhaupt so komplex, verschachtelt oder widersprüchlich formuliert?
Wie soll ein „normaler“ Christ – also jemand ohne tiefgehendes theologisches Studium – solche Stellen verstehen und einordnen?
Zudem zeigt sich, dass selbst sehr gebildete und erfahrene Theologen bei genau solchen Themen oft zu keinem einheitlichen Konsens kommen. Man geht grundsätzlich davon aus, dass die Bibel keine Fehler enthält – und sucht deshalb zwangsläufig nach Erklärungen, selbst wenn diese nicht immer überzeugend wirken.
Fazit: Ein offener Gedankengang
Am Ende bleibt für mich ein einfacher Gedanke bestehen:
Ein Widerspruch bleibt zunächst ein Widerspruch.
Natürlich kann man versuchen, solche Stellen zu harmonisieren oder zu erklären – teilweise gelingt das auch, teilweise wirkt es jedoch eher konstruiert oder wenig überzeugend.
Mein Anliegen ist daher nicht, endgültige Antworten zu liefern, sondern zum Nachdenken anzuregen. Denn genau darin liegt für mich der Wert solcher Beobachtungen: Fragen zu stellen, genauer hinzusehen und sich nicht mit einfachen Antworten zufriedenzugeben.
Mens sana in corpore sano – in einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist. Wie innen, so auch außen!
Eine ausgewogene Versorgung mit essenziellen Nährstoffen und Mikronährstoffen bildet die Grundlage für körperliche Gesundheit, geistige Klarheit und langfristiges Wohlbefinden.



