Schöpfung

Der vierte Tag der Schöpfung – ein zeitliches Problem?

Fragen zu der Bibel bezüglich der Schöpfung von Sonne.

Die ersten Kapitel der Bibel – und Fragen, die kaum jemand stellt

Wenn man beispielsweise aus dem ersten Buch Mose, der Genesis – sofort zu Anfang liest, entstehen unweigerlich viele Fragen.

In diesem Zusammenhang ist es auch nachvollziehbar, dass es Menschen gibt, die behaupten, die Bibel sei lediglich ein Fantasy -Buch, bei dem zwischen Fantasie und angeblichem historischem Verlauf kaum ein Unterschied bestehe.

Die meisten Christen – nein, ich würde sogar sagen: nahezu alle –, ob einfache Gemeindebesucher, sogenannte Diener, Evangelisten, Pastoren oder welche Titel auch immer getragen werden, können darauf keine wirklich adäquaten Antworten geben.

Und diejenigen, die versuchen zu antworten und die „Gemeindeschäfchen“ zu belehren, machen die Sache häufig noch komplizierter oder wirken dabei sogar unfreiwillig lächerlich.

Ehrlichkeit wäre manchmal die bessere Antwort

Vielleicht wäre es manchmal das Sinnvollste und Ehrlichste, einfach zuzugeben, dass man keine endgültige Antwort hat.

Ebenso könnte man eingestehen, dass es möglicherweise Unstimmigkeiten gibt, dass Übersetzungsfehler entstanden sein könnten oder sogar bewusste Veränderungen an der Heiligen Schrift vorgenommen wurden.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass uns bestimmtes Wissen fehlt oder im Laufe der Zeit verloren gegangen ist – Wissen, das für das Verständnis mancher Textstellen notwendig gewesen wäre.

Wie auch immer: Ich möchte einige dieser Stellen heute ansprechen, sie in den Raum stellen, meine Gedanken dazu äußern und zum Nachdenken anregen.

Der Schöpfungsbericht in Genesis

Lesen wir im ersten Kapitel der Genesis (1. Mose) die ersten 19 Verse – also den Abschnitt über die Schöpfung bis zur Erschaffung von Sonne, Mond und Sternen.

Laut Bibel werden diese Himmelskörper am vierten Schöpfungstag erschaffen.

In den Versen 14–18 wird ausdrücklich erwähnt, dass sie den Rhythmus bestimmen: Sie sollen den Unterschied zwischen Tag und Nacht anzeigen und als Zeichen dienen für Zeiten, Tage und Jahre.

Mit anderen Worten: Sonne, Mond und Sterne geben den Takt vor. Sie bestimmen den Wechsel von Tag und Nacht und bilden die Grundlage für die Zählung von Tagen, Monaten und Jahren.

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Die entscheidende Frage

Hier stellt sich jedoch eine interessante Frage. Was ist mit den ersten drei Schöpfungstagen?

Zu diesem Zeitpunkt gab es die Himmelskörper laut Text noch nicht – sie wurden ja erst am vierten Tag erschaffen. Dennoch heißt es bereits nach dem ersten, zweiten und dritten Schöpfungstag:

„Und es wurde Abend, und es wurde Morgen.“

Doch wenn es noch keine Sonne, keinen Mond und keine Sterne gab – was bestimmte dann Abend und Morgen?

Was gab den Rhythmus vor? Was markierte den Ablauf eines Tages?

Eine Frage, die vielen Christen nie aufgefallen ist

An dieser Stelle sei erwähnt, dass den meisten Christen – selbst denen, die sich schon seit vielen Jahren als gläubig bezeichnen und von sich meinen, gute Bibelkenner zu sein – diese Diskrepanz sehr wahrscheinlich nie aufgefallen ist.

Sei einmal ganz ehrlich zu dir selbst: Ist dir dieser logische Widerspruch, diese Diskrepanz, jemals bewusst geworden?

Ich vermute eher nicht. Ein großer Teil des Christentums lebt gewissermaßen in seiner eigenen Blase.

Die traditionellen Kirchen wie die katholische oder evangelische Kirche ebenso wie andere christliche Strömungen – etwa Mennoniten, Baptisten, Charismatiker, Adventisten, Freie Evangelische Gemeinden, die sogenannten „geschlossenen Brüder“ oder die „offenen Brüder“ und viele weitere – bewegen sich jeweils in ihrem eigenen theologischen Denkraum (Blase).

Jede dieser Gruppen hat ihre eigene Sichtweise, ihre eigene Auslegung der Heiligen Schrift und ihre eigenen theologischen Schwerpunkte.

Doch trotz aller Unterschiede haben sie oft etwas gemeinsam: zahlreiche blinde Flecken.

Selbst einfachste logische Spannungen oder scheinbare Widersprüche, die direkt an der Oberfläche des Textes liegen, werden häufig gar nicht wahrgenommen – oder zumindest nicht ernsthaft hinterfragt.

Versuche, den Widerspruch zu erklären

Doch kehren wir nun wieder zu unserem eigentlichen Text zurück. Es gibt tatsächlich vereinzelt Lichtblicke: Menschen, die einen Versuch starten, schwierige oder pikante Stellen der Bibel zu deuten.

Dabei liegt der Schwerpunkt allerdings auf dem Wort „Versuch“.

So verhält es sich auch mit den Passagen über Licht und Himmelskörper. Ich habe Auslegungen gehört, in denen gesagt wird, dass dies doch eigentlich ganz einfach sei.

Ein Beispiel: Es wird eine Bibelstelle aus dem Neuen Testament zitiert.

1. Johannes 1,5
„Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis.“

Wenn Gott Licht ist, dann spendet seine Gegenwart also Licht und leuchtet ständig.

Aber wie soll man sich das vorstellen?

Ab diesem Punkt wird es allerdings ziemlich fantastisch. Wie soll man sich das vorstellen?

Wenn Gott Licht ist und in ihm keine Finsternis existiert, bedeutet das, dass seine Gegenwart ununterbrochen leuchtet – dass also immer Licht ist.

Gleichzeitig wird in der Schöpfung jedoch von Tag und Abend, von Tag und Nacht gesprochen. Damit es Nacht werden kann, müsste Gott sich irgendwo „versteckt“ haben, um Dunkelheit zuzulassen.

Und zum Morgen würde er sich wieder langsam zeigen, sodass es dämmert und hell wird?

Wenn Gott Licht ist – sind wir es dann auch?

Und was ist mit uns, den Nachfolgern von Jesus? Es gibt einige Bibelstellen, in denen wir als Licht oder Kinder des Lichts bezeichnet werden und aufgefordert werden zu leuchten.

Zum Beispiel:

Matthäus 5,14–16
„Ihr seid das Licht der Welt.“

Epheser 5,8–9
„Jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn.“

Es gibt noch weitere Stellen, doch diese reichen aus, um meinen Gedankengang zu illustrieren.

Wörtlich oder metaphorisch?

Ist nun ein wortwörtliches Leuchten gemeint – als Ersatz für eine Kerze (damals), eine Lampe oder sogar die Sonne? Oder ist es vielmehr sinnbildlich, eine Metapher?

Im griechischen Originaltext wird in beiden Fällen das Wort phōs verwendet – sowohl bei Gott als Licht im 1. Johannesbrief als auch bei uns Menschen.

Doch wer legt fest,

  • welche Verse wortwörtlich
  • und welche metaphorisch

zu verstehen sind?

Gibt es eine Liste, eine Anleitung oder ein System, nach dem bestimmt wird, welche Bibelstellen buchstäblich zu nehmen sind und welche bildhaft?

Denn einmal heißt es, Gott sei Licht und habe geleuchtet – wortwörtlich bei der Schöpfung. Bei uns Menschen hingegen würde niemand ernsthaft fordern, dass wir wie Lampen leuchten. Hier wird selbstverständlich auf die metaphorische Bedeutung verwiesen.

Müssen wir Gott verteidigen?

Ich möchte uns beide dazu auffordern, nicht als Advokaten – als Rechtsanwälte Gottes – aufzutreten. Viele Christen verhalten sich so, als müssten sie eine Firewall, ein Bollwerk oder einen Schutzmechanismus für Gott und die Bibel darstellen.

Dabei muss man nicht alles erklären können.

Und, was noch wichtiger ist: Man sollte dies auch ehrlich kommunizieren.

Vielleicht ist die ehrlichste Antwort: Ich weiß es nicht

Es ist völlig in Ordnung, einfach einmal zu sagen:

„Ich habe keine Ahnung.“

Den Satz

„Es scheint, dass du Recht hast“

bringt vermutlich kaum jemand über die Lippen, wenn sich die Bibel an einer Stelle zu widersprechen scheint.

Stattdessen wird oft verzweifelt versucht, eine Erklärung oder Deutung herbeizuziehen, die zehnmal absurder klingt, als einfach zu akzeptieren, dass wir aktuell keine Antwort haben und möglicherweise ein Widerspruch besteht.

Mag sein, dass es irgendwann einmal eine sinnvolle Erklärung gibt.

Aber bis dahin ist Ehrlichkeit der weitaus bessere Weg als jede noch so abenteuerliche Rechtfertigung.

 


Mens sana in corpore sano – in einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist. Wie innen, so auch außen!
Eine ausgewogene Versorgung mit essenziellen Nährstoffen und Mikronährstoffen bildet die Grundlage für körperliche Gesundheit, geistige Klarheit und langfristiges Wohlbefinden.