Fragen - Geschichte - Israel

Dürfen wir lügen, wenn Gott es vormacht?

Dürfen wir Lügen?

Ich möchte dir eine provokante Frage stellen, die einen möglicherweise bereits innerlich aufwühlen kann. Die Frage lautet: Dürfen wir lügen und betrügen, so wie es der Gott Israels selbst als Vorbild zu tun scheint?

Ja, du hast richtig gelesen. Der Gott der Juden, der Gott, der als HERR oder Jahwe bezeichnet wird – oder wie auch immer man ihn nennen mag –, hat es augenscheinlich selbst vorgemacht, und zwar nicht nur einmal, sondern mehrfach. Ich möchte jedoch eine der bekanntesten Stellen aufgreifen, eine Geschichte, die weltweit bekannt ist: die Auswanderung aus Ägypten in das verheißene Land.

Gottes Plan mit seinem Knecht Israel

Was ist geschehen? Gott verfolgt einen konkreten Plan mit seinem Knecht Israel. So lesen wir beispielsweise in:

Jesaja 49,3
„Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrlichen will.“

Diesen Gedanken greift Jesaja in seinem Buch mehrfach auf. Gott offenbart hier seine Beziehung zu Israel und macht den Stellenwert deutlich: HERR und Knecht.

Mose als weiterer Knecht im Plan Gottes

Darüber hinaus beruft der HERR einen weiteren Knecht – gewissermaßen einen „Sub-Knecht“ – nämlich Mose. Über Mose lesen wir:

5. Mose 34,5
„So starb Mose, der Knecht des HERRN, dort im Land Moab …“

Daraus ergibt sich ein klares Bild: Der HERR spricht nicht von Kindern, Freunden oder Familie, sondern von Knechten, die ihm dienen und durch die er handelt.

Mose wird also für den Plan des HERRN berufen, und gemeinsam mit seinem Bruder Aaron soll er die Anweisungen Gottes übermitteln. Dies wird in der Bibel eindeutig kommuniziert.

2. Mose 3,10
„So geh nun hin, ich sende dich zum Pharao, damit du mein Volk Israel aus Ägypten führst.

Der Auftrag ist eindeutig:

Mose soll zum Pharao gehen, Israel befreien und das Volk aus Ägypten herausführen.

Der eigentliche Plan: Auswanderung für immer

Der Plan Gottes ist klar: Es geht um eine dauerhafte Auswanderung. Israel soll Ägypten endgültig verlassen und in ein eigenes Land ziehen – ein Land, das der HERR selbst für seinen Knecht ausgewählt hat.

Dies wird ebenfalls deutlich formuliert:

2. Mose 3,8
„… ich bin herabgekommen, um sie zu erretten … und sie in ein gutes und weites Land zu führen, ein Land, in dem Milch und Honig fließt … das Land der Kanaaniter …“

2. Mose 3,17
„Ich will euch aus dem Elend Ägyptens hinaufführen in das Land der Kanaaniter …“

Damit steht fest: Es handelt sich nicht um einen kurzfristigen Ausflug, sondern um eine endgültige Befreiung und Umsiedlung.

Die Kommunikation mit dem Pharao

Nun stellt sich die entscheidende Frage: Wie wird dieser Plan gegenüber dem Pharao kommuniziert?

Was sagt Mose im Auftrag Gottes tatsächlich?

2. Mose 3,18
„… du sollst zum König von Ägypten gehen und zu ihm sagen:
… wir wollen drei Tagereisen weit in die Wüste ziehen …“

2. Mose 5,3
„Wir wollen drei Tagereisen weit in die Wüste ziehen und dem HERRN, unserem Gott, opfern …“

2. Mose 8,27 (bzw. 8,23 je nach Zählung)
„Wir wollen drei Tagereisen weit in die Wüste ziehen und dem HERRN, unserem Gott, opfern, wie er uns sagt.“

Hier wird deutlich: Es wird nicht offen kommuniziert, was tatsächlich geplant ist. Statt einer endgültigen Auswanderung wird lediglich ein begrenzter Aufenthalt in der Wüste angekündigt.

Täuschung oder legitime Strategie?

An dieser Stelle drängt sich der Gedanke auf, dass hier eine Täuschung vorliegt. Der tatsächliche Plan besteht darin, Ägypten für immer zu verlassen. Dennoch wird dem Pharao im Auftrag Gottes gesagt, dass es lediglich um eine dreitägige Reise in die Wüste gehe, um Gott anzubeten und Opfer darzubringen.

Damit wird dem Pharao etwas anderes dargestellt als das, was tatsächlich beabsichtigt ist.

Gottes Gebote zur Wahrheit

Gleichzeitig lehrt die Bibel an vielen Stellen, dass Gott nicht lügt und dass der Mensch ebenfalls zur Wahrheit verpflichtet ist.

Numeri 23,19
„Gott ist nicht ein Mensch, dass er lüge …“

2. Mose 20,16
„Du sollst kein falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“

Sprüche 12,22
Falsche Lippen sind dem HERRN ein Gräuel,
die aber treu handeln, gefallen ihm.“

3. Mose 19,11
„Ihr sollt nicht stehlen noch lügen noch einander betrügen.“

Epheser 4,25
„Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit …“

Offenbarung 21,8
„… alle Lügner – ihr Teil wird im Feuersee sein …“

Die Linie scheint eindeutig: Lüge wird als etwas Verwerfliches dargestellt, als ein Gräuel, und sie wird mit schwerwiegenden Konsequenzen verbunden.

Der scheinbare Widerspruch

Hier entsteht ein Spannungsfeld: Einerseits verbietet Gott die Lüge und stellt sich selbst als wahrhaftig dar. Andererseits beauftragt er Mose, dem Pharao eine Aussage zu übermitteln, die nicht den vollständigen tatsächlichen Plan widerspiegelt.

Man könnte versuchen, dies als „halbe Wahrheit“ zu bezeichnen. Dennoch bleibt festzuhalten, dass es sich um eine bewusste Täuschung handelt. Es war kein Versehen und keine einmalige unbedachte Formulierung. Vielmehr wurde diese Aussage mehrfach wiederholt und gezielt eingesetzt.

Die Reaktion des Pharao

Die Konsequenzen zeigen sich später deutlich. Der Pharao lässt das Volk zunächst ziehen – in der Annahme, dass es sich lediglich um eine temporäre Reise handelt.

Doch als ihm bewusst wird, was tatsächlich geschehen ist, reagiert er entsprechend.

2. Mose 14,5–9
„Und es wurde dem König von Ägypten gesagt, dass das Volk geflohen sei …“

In diesem Moment erkennt der Pharao die tatsächliche Situation. Ihm wird klar, dass es sich nicht um einen kurzen religiösen Ausflug handelt, sondern um eine endgültige Flucht.

Aus seiner Perspektive wurde er getäuscht, betrogen und hintergangen – durch Gott und durch dessen Knecht Israel.

Offene Frage an den Leser

Damit bleibt die zentrale Frage bestehen:

Wie lässt sich dieses Handeln mit den biblischen Aussagen über Wahrheit, Lüge und göttliche Integrität vereinbaren?

Ist es eine bewusste Täuschung, eine strategische Maßnahme oder etwas, das anders verstanden werden muss?

Diese Frage bleibt offen – und lädt dazu ein, tiefer darüber nachzudenken.


Mens sana in corpore sano – in einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist. Wie innen, so auch außen!
Eine ausgewogene Versorgung mit essenziellen Nährstoffen und Mikronährstoffen bildet die Grundlage für körperliche Gesundheit, geistige Klarheit und langfristiges Wohlbefinden.